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GEMEINSCHAFTSGARTEN LANDHOF

Aktualisiert: 13. Mai 2019

ZWISCHEN RIEHENSTRASSE 90+110, 4058 BASEL




UAB - URBAN AGRICULTURE BASEL


Als ich am Anfang meiner Recherche Cristina Huser der Baubio Regionalgruppe Nordwestschweiz kontaktierte, hat sie mir den Verein Urban Agriculture Basel (UAB) vorgeschlagen, speziell das Projekt Gemeinschaftsgarten Landhof. Als Hobby-(Balkon)Gärtnerin war mir der Verein nicht ganz unbekannt, ich kenne das eine oder andere Projekt, hatte leider nur noch nie die Zeit gefunden, mich genauer damit auseinanderzusetzen. Nun hatte ich die Chance.

Der gemeinnützige Verein fördert die Erzeugung von Lebensmitteln, Blumen, Nutz- und Medizinalpflanzen durch die in der Stadt Basel und Agglomeration lebenden Menschen in einem ganzheitlichen Sinne. Sie fühlen sich den Zielen der lokalen, sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit verpflichtet und zum Erhalt von Natur und Biodiversität. UAB bietet den verschieden Projekten ein gemeinsames Netzwerk an und möchte Gleichgesinnte zusammen- und weiterbringen. Sie bieten eine Plattform, um sich auszutauschen und auf dem Laufenden zu bleiben. Zum Netzwerk gehören beispielsweise die Läden LOKAL und Basel unverpackt, die regionale und unverpackte Lebensmittel verkaufen oder das Projekt „Interkultureller Garten“ wo wöchentlich gemeinsam im Innenhof eines Asylheimes gegärtnert wird. Der Gemeinschaftsgarten Landhof war 2011 das erste Projekt, das bei UAB gelistet wurde. Die Liste ist seither um viele verschiedene Projekte reicher. Laufend kommen neue Unterfangen dazu, andere werden wiederum auf Eis gelegt. Auf ihrer Homepage wird man unter anderem über aktuelle Anlässe informiert und mit dem monatlich versendeten Newsletter bleiben Interessierte auf dem Laufenden.



DER GEMEINSCHAFTSGARTEN LANDHOF

Wo früher der FC Basel „tschutete“, wächst heute im Gemeinschaftsgarten Gemüse, Bienen fliegen umher und Menschen kommen zum gemeinsamen pflegen des Gartens zusammen. Aber nicht nur der Garten wird gepflegt, sondern auch die Freundschaften und Beziehungen, die zwischen Menschen, Pflanzen und Tieren hier entstanden sind.

Anfang der 2000er Jahre gründeten Quartierbewohner*innen die IG Landhof, sie setzen sich für eine sinnvolle, vielseitige und quartierverträgliche Nutzung des Landhofareals ein. 2010 siegte die Grünerhaltung-Initiative an der Urne gegen einen Überbauungs-Gegenvorschlag. Der Umgestaltungsvorschlag von 2014 wurde nie umgesetzt und gegen das 2018 vorgeschlagene Parking haben sich die Anwohner bislang erfolgreich gewehrt. Wie und ob die Umgestaltung umgesetzt wird, ist momentan noch unklar, zu hoffen ist nur, dass der Garten weiterhin in seiner Form bestehen bleiben darf.

Bei einer Führung durch den Garten Anfangs April durfte ich das Projekt persönlich kennenlernen. Kurz vor der verabredeten Zeit war ich vor Ort und habe mir den Garten und das restliche Areal angeschaut. Ich war zum ersten Mal da, obwohl ich schon unzählige Male daran vorbei gefahren bin. Auf dem Fussballfeld waren Kinder, die Badminton spielten und eine Gruppe Pfadfinder, die am Samstagnachmittag wohl eine Pfadi-Übung hatte. Hinter dem Tribünengebäude liegt der Robinson Spielplatz, der von jungen Familien mit Kindern rege genutzt wird. Eine so riesige Grünfläche, die quasi den Innenhof des Blockes bildet, ist einmalig im Kleinbasel.

Um halb vier treffe ich mich mit Gina Honauer, seit 2017 in koordinatorischer, geschäftsleitender Rolle für den Verein Gemeinschaftsgarten Landhof tätig, auf ein Gespräch und Rundgang im Garten. An diesem Nachmittag sind um die fünf Personen vor Ort am Gärtnern, einige kommen gerade oder gehen noch an die Klima Demo, die heute stattfindet. Wir setzten uns an einen Tisch mitten im Garten und unterhalten uns über die Ziele und den Sinn eines solchen Projektes, aber auch über Schwierigkeiten und fehlende Zeit, den Garten zu pflegen. Gina ist gelernte Zierpflanzengärtnerin, hat ein Studium zur Umweltingenieurin absolviert und sich die Grundlagen der Permakultur in einem Kurs angeeignet. Sie erklärt mir, dass grundsätzlich alle Entscheide gemeinsam gefällt werden. Diese Art ist zwar Teil der Permakultur-Ethik, bedingt aber teilweise Abstriche in Anbau-technischer Hinsicht: Es ist nicht zu erwarten, dass die fachlich und theoretischen Hintergründe von allen Beteiligten gleichermassen verstanden werden.

Grundsätzlich sind sich die Projekt-Teilnehmenden jedoch einig, dass Sie nicht nur Leckeres und Nahrhaftes für den Eigenbedarf anbauen, sondern auch Humusaufbau sowie Lebensraum für Insekten und andere Kleintiere beitreiben wollen. Wie auch in der Baubiologie, möchte man Kreisläufe schliessen und ein ausgewogenes Miteinander erzielen. Zurzeit sind etwa 20 Gärtner*innen mehr oder weniger regelmässig vor Ort und pflegen den Garten. Gina macht ihre Arbeit hauptsächlich ehrenamtlich, teilweise sind das bis zu 50 Stelleprozent. Sie erzählt mir, dass 2017 und 2018 sehr arbeitsintensiv waren und sie Ende 2018 ein wenig Abstand brauchte und länger nicht vor Ort war. Als sie im Februar 2019 wieder zurückkam, war sie begeistert darüber wie viel „Erntbares“ – direkt, sowie im Ausblick aufs Jahr – auf den Flächen wuchs und wie ästhetisch gepflegt er gleichzeitig wirkte. Im Hinblick darauf, dass der gesamte Betrieb, inklusive Administration und Organisation, mit minimalster Zeitkapazität einiger weniger Teilnehmenden aufrechterhalten wurde, ist dies wohl der beste Beweis, dass der Garten ganz im Sinne der Permakultur auch selbstregulierend funktionieren kann. Das Ziel der Förderung von Biodiversität, auch in einem städtischen Umfeld, ist ihr sehr wichtig. Dieses Jahr wurde bei der Planung der Bepflanzung der Beete und der Gestaltung des Gartens speziell Rücksicht auf eine tierfreundliche Umgebung genommen. So soll nebst dem Bienenhotel und dem Teich, ein Totholzhaufen und ein Sand- und Steinbeet Lebensraum für Tiere und Insekten bilden.



NATUR UND BIODIVERSITÄT IM SIEDLUNGSRAUM


Bei den Begriffen Natur und Biodiversität denkt man wohl kaum gleich an eine Stadt und deren Agglomeration. Erstaunlicherweise lässt sich aber in Städten oft eine aussergewöhnliche Artenvielfalt feststellen. Beim Planen und Bauen unserer Städte sollte daher Rücksicht auf den Lebensraum der lokalen Flora und Fauna genommen werden. Eine naturnahe Gestaltung des Aussenraums hilft nicht nur Pflanzen und Tieren, sondern dient auch den Menschen zur Erholung und hilft der Entlastung unserer Infrastruktur. Beispielsweise entlasten Grünflächen, offene Gewässer oder begrünte Dächer das Kanalisationssystem, in dem sie Regenwasser aufnehmen oder versickern lassen können. Dies führt zu einer Reduktion der Wassermengen, die durch die Kläranlagen fliesen. Aber auch Tropennächte werden im Sommer immer häufiger, diese kommen in Städten drei Mal häufiger vor als auf dem Land. Der Grund dafür liegt in der baulichen Struktur einer Stadt. Die vielen Dächer, Hauswände und Strassen bieten grosse versiegelte Flächen, welche die Hitze tagsüber speichern und im Allgemeinen nur sehr langsam abkühlen. Grünflächen wirken diesem Phänomen entgegen. Sie bieten die Möglichkeit zur Verdunstung und helfen somit, die Lufttemperatur abzukühlen.


Die Stadt Basel hat einen Grünflächenanteil von 36%, ein nicht unbeachtlicher Anteil meiner Meinung nach. Der Erhalt von Grünflächen ist in der Gesetzgebung verankert. Das Bau- und Planungsgesetzt gibt beispielsweise vor:


- 2. Kapitel: Bebauung, Abschnitt 6

a) Gärten und Grünflächen § 52. Von der Fläche hinter der Baulinie, die oberirdisch nicht überbaut werden darf, müssen mindestens zwei Drittel als Garten oder Grünfläche angelegt werden. Dies gilt nicht in den Zonen 7, 6 und 5.


- 3. Kapitel: Bauweise und Ausstattung, VI Ausstattung

5. Dachflächen § 72. Ungenutzte Flachdächer sind mit einer Vegetationsschicht zu überdecken.


Ich würde also nicht behaupten, dass wir wahllos die Bodenfläche zupflastern, jedoch sollte nicht nur der Quantität sondern auch der Qualität der Grünflächen und der Aussenraumgestaltung grosse Beachtung geschenkt werden. Das Projekt Gemeinschaftsgarten Landhof macht genau das. Auf einer relativ kleinen Fläche leisten sie einen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität, bieten Erholungsraum für Menschen, erfüllen einen Bildungsauftrag und liefern Nahrungsmittel lokal und in Bio-Qualität.



DREI MUSTERBEISPIELE IM GEMEINSCHAFTSGARTEN


Pflanzen

Die Gartengemeinschaft ist Mitglied der Stiftung ProSpecie-Rara, Teil ihres Schaunetztes und als Sortengarten auf ihrer Homepage gelistet. Von Anfang an waren die Projekte an einer Zusammenarbeit interessiert und so kam viel Saatgut für Gemüse aus dem Fundus der Stiftung. Es gibt im Garten eine grosse Vielfalt an Pflanzen darunter beispielsweise den fast in Vergessenheit geratenen Kardy. Der Geschmack von Kardy ist leicht bitter und artischockenähnlich. Gina erzählt mir, dass vor allem diese Bitterkeit bei vielen Gemüsesorten weggezüchtet worden ist. Die meisten Pflanzen sind beschriftet und so lernt man bei einem Rundgang durch den Garten viel Neues kennen.


Lebensraum für Tiere und Insekten

Zentral im Garten steht eine sogenannte Kräuterschnecke, ein Paradebeispiel der Permakultur erklärt mir Gina. Es erlaubt nicht nur den Anbau von Kräutern aus verschieden Klimazonen sondern bildet durch die Trockenmauern auch Lebensraum für wärmeliebende Tierarten wie Eidechsen, Erdkröten, Wildbienen oder Laufkäfer. Wie bereits erwähnt, legt der Verein dieses Jahr einen speziellen Fokus darauf, noch mehr Tiere anzulocken. Nicht nur durch die Errichtung eines Totholzhaufens und eines Sandbeckens, auch durch die gezielte Auswahl der Bepflanzung. Nahrungsquellen für die Tiere und Insekten sollen sichergestellt sein.


Sozialer Erholungsraum

Der soziale Aspekt des Projektes ist zentral, schliesslich heisst der Garten ja Gemeinschaftsgarten. Den Gärtner*innen ist es wichtig, die Entscheidungen gemeinsam zu treffen und es herrscht eine flache Hierarchie. Im Gespräch mit Gina erfahre ich, dass mal mehr Mal weniger Leute vor Ort und im Verein sind. Trotzdem oder vielleicht genau wegen dieser Dynamik, bildet der Garten ein Ort der Begegnung und Entspannung, mal ruhig mal aufregend. Jeden Mittwoch und Samstagnachmittag wird gemeinsam gegärtnert und über das Jahr verteilt gibt es verschiedene Anlässe. Der Garten ist jederzeit für alle frei zugänglich.



Es muss nicht immer gleich ein Permakultur Garten im Innenhof sein, auch mit kleineren Gesten können wir die Biodiversität in der Stadt fördern. Der stete Tropfen höhlt den Stein.

Durch anbringen von Bienenhotels auf dem Balkon oder Nistplätze für Vögel am Dach, finden Tiere ein Zuhause in der Stadt. Bei der Bepflanzung vom Balkon oder Vorgarten kann man mit heimischen Pflanzen Futterquellen generieren, schwarzer Holunder beispielsweise wird von vielen heimischen Vögeln gegessen. Durch einen Kompost im Hinterhof lassen sich die Grünabfälle eines ganzen Mehrfamilienhauses zu Komposterde und Dünger verarbeiten, das sorgt für eine Abfallverminderung und entlastet unsere Entsorgungssysteme.

Es gibt so viele Möglichkeiten einen Beitrag zum Erhalt unserer Natur und Biodiversität zu leisten, wir müssen diese nur wahrnehmen und lernen bewusst zu handeln.


Bilder via www.permakultur.de, Geoview BS und von mir.

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