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  • Florinda

WOHNÜBERBAUUNG MAIENGASSE

Aktualisiert: 13. Mai 2019

MAIENGASSE 7-15, 4056 BASEL



DER HOLZBAUTREND


Holzbauten wurde in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit geschenkt und sie konnten sich über eine hohe Medienpräsenz freuen. Von der Überbauung Freilager in Zürich mit drei sechsgeschossigen Holzbauten, über das Gipfelgebäude auf dem Chäserrugg von Herzog & de Meuron bis hin zu dem sich noch im Bau befindenden Neubau des Amtes für Umwelt und Energie in Basel, um nur einige prominente Beispiele zu nennen, alle möchten mit Holz bauen.

Auch die Wohnüberbauung an der Maiengasse, die während meiner Recherchezeit in mehreren Zeitschriften und Zeitungen portraitiert wurde. Sie ist eines der ausgezeichneten Projekte Guter Bauten 2018 der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Genau so hat der Bau auch meine Aufmerksamkeit gewonnen. Ich habe die Berichte gelesen, war bei einer Podiumsdiskussion, wo der Architekt und Projektleiter Marco Rickenbacher von seinen Erfahrungen vom Bau erzählt hat, dabei und habe mich auch vor Ort vom Gebäude überzeugen lassen. Die Inspiration zum Neubau in Holz, so erzählte Marco, kam durch die Geschichte des Ortes. Denn der Überbauung mussten die alten Holzschuppen, die im Innenhof der Blockrand-bebauung standen, weichen. Das Baumaterial Holz ist sehr konsequent durchgezogen: Holztafelelemente, Fassadenverkleidung, eine sichtbare Balken-decke, Holzböden und Holzfenstern mit Faltläden aus Holz fügen sich zu einem einmaligen Gesamtbild zusammen. Diese Konsequenz hat mich letztlich überzeugt dieses Gebäude, exemplarisch für den Baustoff Holz und somit für eine Nachhaltige und regionale Materialwahl, auszusuchen und in meiner Arbeit vorzustellen.



BAUEN MIT HOLZ - NACHHALTIG UND INNOVATIV


Ursprünglich stammt der Begriff Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft. Dieser Begriff hat sich in den letzten Jahren zu einem Modewort entwickelt, das unterschiedlich definiert und interpretiert wird. Schon im 19. Jahrhundert wurde in der Schweiz, im Forstpolizeigesetz, das Prinzip festgelegt, jedes Jahr nur so viel Holz zu schlagen, wie nachwachsen oder neu gepflanzt werden kann. Der sorgfältige Umgang mit natürlichen Ressourcen ist ein grundlegender Aspekt der Nachhaltigkeit. Dazu ist eine langfristige Sichtweise nötig, die über den unmittelbaren Nutzen hinaus reicht. Kreisläufe und Lebenszyklen sollen berücksichtigt und geschlossen werden, nur so ist eine nachhaltige Entwicklung möglich.

Es gibt in der Schweiz gleich mehrere interessante Projekte und Innovationen. Holz100 und Appenzellerholz beispielsweise sind zwei Produkte, die sich mit Vollholzelementbau beschäftigen.

Roger Lindauer, ehemaliger Absolvent des Baubiologen-Lehrganges, hat für seine Abschlussarbeit eine Holzküche entwickelt, die ohne Leim dafür aus lokalem Holz und rezykliertem Glas gebaut wird und vertreibt diese heute über seine Firma Lindauer AG. Und das Label HSH – Herkunft Schweizer Holz kennzeichnet lokal gewachsenes und verarbeitetes Holz. Unternehmen können sich zertifizieren lassen; entweder ihre Gesamtproduktion, einzelne Produkte oder einzelne Aufträge. Objektaus-zeichnungen sind ebenfalls möglich, entweder das gesamte Gebäude oder einzelne Bauteile wie Fassade und Tragwerk.



BAUEN MIT HOLZ - DAMALS UND HEUTE


Das Bauen mit Holz ist so alt wie die Siedlungsgeschichte. Angefangen bei Pfahlbauten über Blockhütten hin zu Ständer- und Fachwerkbauten, allen liegt der Bau- und Energiestoff Holz zu Grunde. Bis ins 18. Jahrhundert waren die Wälder Europas dessen wichtigster Lieferant. Baumaterialien wurde damals ausschliesslich aus der näheren Umgebung bezogen, in der Schweiz waren somit die vorherrschenden Baustoffe Holz und Stein. Dies ist gut ersichtlich in den regional typischen Hausformen.

Im schweizerischen Mittelland und in den Alpen wurde vorwiegend mit Holz gebaut, in der Westschweiz und im Tessin hingegen war Stein das meist verwendete Baumaterial. Bis ins 19. Jahrhundert waren Städte vor allem auf Kosten des Waldes gewachsen. Viele Wälder waren abgeholzt oder hoffnungslos übernutzt.

Mit dem Abbau und Import von Steinkohle und dem Aufkommen von Backstein, Beton und Stahl, Mitte des Jahrhunderts, wurde das Holz zu einem zweitrangigen Energie- und Baumaterial degradiert. Die Bedeutung des Rohstoffes Holz nahm rapide ab und verringerte somit den Druck auf die Wälder stark. Nur während den beiden Weltkriegen erlebte Holz eine kurze Renaissance, da es der einzig verfügbare Rohstoff war. Ansonsten wurden Ziegel und später Beton hierzulande dem Holz als Baustoff vorgezogen, denn die Massivbauweise aus Stein galt als modern. Erst seit Ende der 70er Jahre, mit dem neuen Umweltbewusstsein, kam das Interesse an natürlichen Baumaterialien wieder richtig auf. Der Hausbau mit Holz gewann wieder an Wertschätzung und Popularität, weil er ökologisch sinnvolle und schnelle Bauzeiten zuliess. Die computerunterstützte Planung und Produktion ermöglichten Vorfabrikationen und reduzierten somit teure Handarbeit. Diese Vorfertigung von Hauselementen ermöglichte eine rationelle und wirtschaftliche Bauweise mit Holz. Heute profitiert die Holzbauwirtschaft von jahrhundertalter Zimmermannskunst und –wissen in Kombination mit modernster Technik.



BAUEN MIT HOLZ - DIE ÜBERBAUUNG

Ende Februar sass ich an der ersten ArchitekturBAR im Didi offensive, eine Bar im Kleinbasel. Es war die erste Podiumsdiskussion einer Reihe, organisiert von den Machern von architekturbasel.ch. Architektur Basel ist ein Kollektiv von Architekt*innen, die sich zum Ziel gesetzt haben, das Architekturgeschehen in und um Basel zu dokumentieren und kommentieren. Der Anlass, wenn auch weniger Podiumsdiskussion und mehr Dialog zwischen den beiden Architekten Marco Rickenbacher (Esch+Sintzel) und Lukas Gruntz (architekturbasel.ch) war sehr spannend und lies mich den Bau aus Sicht des Architekten und Projektleiters kennenlernen.

Die Parzelle an der Maiengasse hat eine Transformation hinter sich. Einst klassisch als Blockrand bebaut und mit Holzschuppen im Innenhof, steht nun ein V-förmiger, dreigeschossiger Baukörper der sich zur Strasse hin öffnet.

Wo zuletzt nur noch um die 10 Personen arbeiteten und wohnten, hat es jetzt Platz für rund 150 Personen. In den beiden Schenkeln befinden sich die 39 Wohnungen und in deren Verbindung ist ein Doppelkindergarten untergebracht. Durch diese Anordnung ist ein gassenartiger Platz entstanden, der sowohl dem Kindergarten als auch der Wohnqualität dient. Gleichzeitig schlägt er auch die Brücke zwischen öffentlichem und privatem Raum. Die Inspiration zu einem Holzbau, so erzählt Marco, kam von den Holzschuppen, die im Innenhof standen.

Die Konsequenz mit der das Material Holz durchgezogen ist, ist schwer zu übersehen. Lediglich das Untergeschoss und die Treppenhäuser wurden in Beton ausgeführt. Die Wände wurden als Holztafelelemente vorfabriziert, die Decken und das Dach vor Ort von den Holzbauern erstellt. Das meiste verbaute Holz stammt aus dem benachbarten Schwarzwald oder ist sogenanntes heimisches Holz aus der Schweiz, Deutschland oder Österreich.

Im Innenraum überrascht eine sichtbare Balkendecke, ein Tribut an die Holzschuppen, die einst dastanden. Die Idee der Balkendecke überlebte vom Wettbewerbsbeitrag bis zum Bauprojekt, weil bei drei Geschossen reduzierte Anforderungen an den Brandschutz gelten und weil Bauphysiker und Holzbauingenieure jene an den Schallschutz elegant lösten. Damit man die Nachbarn nicht hört, sind die Decken mit Schüttung und Unterlagsboden entkoppelt. Die Decke ist eine stimmungsvolle Abwechslung zum meist alternativlosen Weissputz und sorgt für mehr Raumhöhe zwischen den Balken. Vor allem ist sie aber Kern einer disziplinierten Konstruktion, denn alle 66 Zentimeter überspannen die Balken die Räume. Dieser konstruktiven Ordnung unterstellt sich die Raum-, Fassaden- und Fenstereinteilung.

Der Bau an der Maiengasse zeigt hervorragend, dass Holz ein vielseitig einsetzbares Baumaterial ist. Durch den Mix von neuen und traditionellen Arbeitsweisen ist ein stolzes Haus entstanden.

Aber nicht nur durch die Material- und Konstruktionswahl ist ein baubiologisch interessantes Gebäude entstanden, denn die Überbauung zeigt auch, wie qualitative Verdichtung geht. Ziel war es, erschwinglichen Wohnraum, der Platz für Haushalte unterschiedlicher Grösse und Alters-durchmischung, zu schaffen. Das Angebot richtet sich an Familien mit Kindern sowie jüngere und ältere Kleinhaushalte, ergänzt durch den Doppelkindergarten. Die Geschosswohnungen mit 2 ½ und 3 ½ Zimmern richtet sich an Ein- oder Zweipersonen Haushalte, die Masionettewohnungen mit 4 ½ oder 5 ½ Zimmer, eigenem Garten und separater Eingangstür, richten sich an Familien oder Wohngemeinschaften und funktionieren wie Reihenhäuser.

Um eine möglichst hohe Belegungszahl zu erreichen, verwendete die Bauherrschaft bei rund einem Drittel der Wohnungen ein Vermietungsmodell mit Bonussystem. Bedingung für den Bonus: Die Mindestanzahl der Bewohner muss der Anzahl Zimmer minus eins entsprechen und das steuerbare Einkommen des Haushaltes darf höchstens viermal so hoch sein wie der Bruttomietzins. Das heisst:

ein Dreipersonen-Haushalt, der sich für eine 4 1/2 –Zimmer-Wohnung in der Höhe von 2475 Franken bewirbt (ohne Bonus von 550 Franken) darf nicht mehr als 9900 Franken verdienen.

Die Wohnflächen wurden hochwertig aber kompakt geplant. 55 Quadratmeter für 2 ½ Zimmer, 75 für 3 ½ Zimmer und

95 für 4 ½ Zimmer sind die Regel, auch dies kommt der Verdichtung zu gute.


Noch wird der Platz ein wenig zögerlich in Beschlag genommen, mit den kommenden Jahren bin ich aber davon überzeugt, dass es sich zu einem lebendigen und wohnlichen Ort entwickelt.


Bilder via www.eschsintzel.ch (copyright: Kuster Frey), Geoview BS und www.nzz.ch

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